Die Seiser Alm, umzingelt von berühmten Dolomitengipfeln, ist einer der zauberhaftesten Orte in Südtirol. Sie ist die größte Hochalm Europas und wir waren im Sommer schon oft hier in den Bergen unterwegs.

Weiter nördlich in der Nähe von Brixen befindet sich mit der Rodenecker und Lüsner Alm eine weitere riesige Hochebene. Mit rund 2300 Hektar gehört auch sie zu den größten Hochflächen Europas. Die Parkplätze auf der Alm sind mit dem Auto oder einem Almbus gut zu erreichen.

Jetzt im Februar verbringen wir endlich wieder mal ein paar Tage in Südtirol. Da momentan erhebliche Lawinengefahr herrscht, entschließen wir uns für eine Bergtour in einem etwas weniger steilen Gelände.

Vom Parkplatz Tulper Gampis auf das „Astjoch“

Wir möchten mit Schneeschuhen auf das Astjoch, den höchsten Berg auf der Rodenecker Alm. Obwohl wir schon oft in Südtirol waren haben, hatten wir von der Alm bislang noch nie etwas gehört. Über schmale Straßen und in unzähligen Kehren geht’s steil hinauf zum Parkplatz Tulper Gampis auf 1805 Metern Höhe.

Da es hier oben auch Loipen gibt, ist einiges los. Wir starten vom Parkplatz rechts am Waldrand und folgen der Beschilderung „Starkenfeldhütte“. Das Astjoch ist mit einer Gehzeit von 1,50 Stunden angeschrieben.

Über eine gewalzte Straße erreichen wir schon nach etwa 20 Minuten die gigantische Hochebene der Rodenecker und Lüsner Alm. Die Landschaft ist wunderschön verschneit und die Bäume sind schneebedeckt.

Weit in der Ferne ist der Gipfel des Astjochs zu erkennen. Wir passieren einige Holzhütten und den Abzweig links zur Rastnerhütte, die heute geschlossen ist.

Nach gut 40 Minuten erreichen wir die schön gelegene Starkenfeldhütte. Sie ist geöffnet – für uns ist es aber noch etwas zu früh für eine Einkehr.  

Der Gipfel ist gut zu erkennen – er scheint noch kilometerweit entfernt, aber der Schein trügt.

Zügig erreichen wir den Fuß des Berges, wo nun die gewalzte Straße endet. Wir treffen auf eine große Wandergruppe, die vor dem Aufstieg von ihrem Guide den Umgang mit Schneeschuhen erklärt bekommt. Auch wir haben unsere dabei und sind gespannt, ob wir sie brauchen werden.

Dank der Trittspuren ist der Weiterweg gut zu erkennen. Er schlängelt sich jetzt deutlich steiler hinauf, aber der Schnee ist griffig und gut zu gehen.

Die Landschaft um uns herum gleicht einem Winterwunderland. Mit jedem Höhenmeter wird der Ausblick beeindruckender.

Dann ist es nicht mehr weit. Das riesige Gipfelkreuz ist schon zu erkennen.

Nach 1,30 Stunden erreichen wir das 2194 Meter hohe Astjoch, auch Burgstall genannt (italienisch: Cima Lasta). Er ist der höchste Berg der Rodenecker Alm.

Wir haben Glück. Die Wolke am Gipfel hat sich verzogen und wir genießen einen grandiosen Rundumblick auf Dolomiten, Zillertaler Alpen und das Pustertal.

Und wir sehen die gigantischen Ausmaße der riesigen Hochebene, auf der wir gerade stehen. Wir befinden uns in den Lüsner Bergen, einer nördlichen Untergruppe der Dolomiten. Obwohl am höchsten Punkt angelangt, ist es unmöglich, einen Anfang oder ein Ende der Hochebene auszumachen.

Der Wind am Gipfel bläst eisig, deshalb setzen wir nach ein paar Minuten unseren Weiterweg fort. Dafür überschreiten wir den Gipfel und folgen der Spur Richtung Ellener Kreuz.

Eine gigantische Schneelandschaft breitet sich vor uns aus. Nach etwa 15 Minuten ist mit dem Abstecher zum Ellener Kreuz auf 2128 Metern ein weiterer Aussichtspunkt erreicht.

Von hier aus sollte man bei Nebel oder nach Neuschnee, wenn keine Spuren zu erkennen sind, am besten den gleichen Weg wieder zurückgehen. Da bei uns die Sicht gut ist, nehmen wir einen Rundweg in Angriff. Nach links sind mehrere Spuren in verschiedene Richtungen zu erkennen. Dank heruntergeladenem GPS-Track kann Reiner unseren Weg schnell finden. Der Schnee ist jetzt allerdings richtig tief und es ist Zeit, die Schneeschuhe anzuziehen.

Es geht deutlich abwärts und an einem Zaun angelangt nochmal steiler rechts wieder hinauf. Der Himmel hat sich plötzlich bedrohlich verdunkelt, da ist etwas im Anmarsch. Auf den noch etwas weiteren Bogen hinab zur Kreuzwiesenalm verzichten wir deshalb.

Der Weiterweg durch den tiefen Schnee ist beschwerlich, trotz unserer Schneeschuhe sinken wir immer mal wieder ein. Das ist Kräftezehrend.  

Nach einem kleinen Waldstück erreichen wir schließlich wieder den Aufstiegsweg.

Die Schneeschuhe braucht es jetzt nicht mehr, sie kommen wieder an den Rucksack. Dafür beginnt es jetzt heftig zu schneien. Für eine kleine Variante auf dem Rückweg folgen wir den Spuren der anderen Schneeschuhgruppe und kommen so nach einer kleinen Schleife hinter der Starkenfeldhütte wieder raus.

Wir folgen jetzt wieder dem gewalzten Weg, halten uns am Ende nochmal links und erreichen dann wieder den Weg, der uns direkt zurück zum Parkplatz führt.

„Astjoch“: 2194 Meter
Zeit bis Gipfel: 1,30 Stunden
Höhenmeter: 570 hoch, 560 runter
Kilometer: 13,11
Gesamtzeit (inkl. Pausen): 4,10 Stunden

Fazit: Lapplandfeeling mitten in Italien

Wir waren bislang noch nicht in Lappland, aber genauso stelle ich mir eine Wintertour durch das verschneite Lappland vor. Unendliche Weiten und Schnee soweit das Auge reicht.

Die Winterwanderung vom Parkplatz Tulper Gampis auf das Astjoch ist technisch leicht und konditionell gut machbar. Schneeschuhe sollte man bei der Überschreitung und Rundtour auf jeden Fall dabeihaben. Der zweite Teil der Tour wäre ohne definitiv nicht machbar gewesen. Dank des GPS-Tracks war die Routenfindung kein Problem. Gerade auch bei Nebel kann ich mir gut vorstellen, dass man sich auf dem verschneiten Hochplateau schnell verlaufen kann oder ein „Whiteout“ erlebt.

Bei stabilen Wetterverhältnissen ist es eine echte Traumtour in beeindruckender Almlandschaft. Und sie ist längst nicht so überlaufen, wie die berühmte Hochebene auf der Seiser Alm.