Auf der Fahrt von Bayern nach Sachsen sind wir unzählige Male durch das bewaldete Fichtelgebirge gefahren, ohne einen Stopp einzulegen. Bis wir vor einigen Jahren ein paar Tage am Fichtelsee waren, den Ochsenkopf bestiegen und das Felsenlabyrinth Luisenburg (sehr sehenswert!) besichtigt haben.
Seitdem war klar, wir kommen wieder. Und wir wollen ganz hinauf auf das Dach Frankens: den Schneeberg.
Ostern 2026 ist es endlich soweit. Wir übernachten in einer gemütlichen Ferienwohnung auf dem Denglerhof und haben hier einen guten Ausgangspunkt für Wanderungen in der Region.
Vom Parkplatz Seehaus über den Haberstein auf den Schneeberg
Wir starten unsere Wanderung am großen Parkplatz Seehaus auf 782 Metern. Vorbei an einem Imbiss, folgen wir dem breiten Weg rechts in den Wald hinein und sehen hier auch schon die ersten Wanderschilder. Wir befinden uns auf dem Fränkischen Gebirgsweg.

Der Wegweiser zeigt gleich drei unserer heutigen Ziele an. Denn neben dem geschichtsträchtigen Schneeberg wollen wir noch zum Haberstein und Nußhardt-Gipfel. Gegen Ende der gut 13 Kilometer langen Rundtour wartet noch eine urige Einkehr auf uns.
Also los geht’s. Für die ersten zwei Kilometer folgen wir dem breiten und nur wenig steilen Waldweg.

Wir erreichen eine Kreuzung, ein Wegweiser zeigt nach links den Abstecher zum 927 Meter hohen Haberstein an.

Knapp 50 Minuten nach Start vom Parkplatz sind wir da.

Was für eine Landschaft. Unzählige Felsplatten liegen auf einer Fläche von mehreren tausend Quadratmetern kreuz und quer durcheinander. Es handelt sich um die ausgedehnteste und größte natürliche Blockhalde des Fichtelgebirges.
Der Ausblick vom Haberstein reicht weit bis hinüber zum Ochsenkopf, den zweithöchsten Berg des Fichtelgebirges.

Entstanden ist das Blockmeer durch den Zerfall einer mächtigen Felsburg, die heute noch als Felsruine vorhanden ist. Blockmeere sind sehr extreme Lebensräume. Wenn die Sonne scheint, heizen sich die Felsoberflächen stark auf, aber im Innern der Blockanhäufungen und in den Höhlen bleibt es kühl.

Nur wenigen Tieren und Pflanzen gelingt es deshalb, die Gebiete zu besiedeln. Dazu gehören seltene Arten von Flechten und Moosen. Um die besondere Pflanzenwelt nicht zu schädigen, sind Schilder sind angebracht, die das Betreten der Blockhalden verbieten. Seit 1939 ist die Gegend ein Naturschutzgebiet.

Für unseren Weiterweg gehen wir das kurze Stück zurück zur Kreuzung und folgen dem Wegweiser „Schneeberg“. Schon früh im Jahr fällt hier in der Region Schnee und bleibt meist lange liegen. Und ja: Je höher wir kommen, desto höher der Schnee. Es ist Ostern, im Tal blühen die Blumen, hier ist noch Winter.
Dann passieren wir rechter Hand den 1000 Meter-Stein mit kleinem Gipfelkreuz.

An einer Kreuzung halten wir uns rechts. Auf der linken Seite sehen wir den eingeschneiten Schneebergbrunnen.

Der Weg wird jetzt kurzzeitig etwas steiler, dann erreichen wir schon das große Gipfelplateau des Schneebergs. Mit seinen 1051 Metern ist er der höchste Berg des Fichtelgebirges und Nordbayerns.
Ein markanter Betonturm thront direkt auf dem Gipfel. Seinetwegen ist der Schneeberg auch aus dem Tal immer gut zu erkennen. Die Bundeswehr ließ den 78 Meter hohen Fernmeldeturm mit seinen zahlreichen Nebengebäuden im Kalten Krieg bauen. Fast 50 Jahre war der Gipfel militärisches Sperrgebiet. Erst seit 1996 ist er wieder für Wanderer zugänglich.
Ich hätte es interessant gefunden, einen Blick hineinwerfen zu können, aber das ist nicht möglich.

Direkt daneben steht der Fels-Granitturm „Backöfele“. Er kann über eine Treppe bestiegen werden. Seinen Namen bekam er im 30-jährigen Krieg, da hier die geflüchteten Bewohner der Umgebung ihr Brot gebacken haben sollen.

Die Aussicht von dem 14 Meter hohen Turm ist grandios und reicht bis ins Erzgebirge, den Frankenwald und Thüringer Wald. Am Horizont ist auch der Ochsenkopf mit seinem Sendemast gut zu erkennen.

Die Hochebene auf dem Schneeberg steht unter Naturschutz. Aufgrund der niedrigen Durchschnittstemperatur von 3,7 °C sind in der Gipfelregion des Schneebergs immer noch eiszeitliche Pflanzen zu finden. Auch viele Insekten, Reptilien und Kleinsäuger haben hier eine Heimat gefunden. So zum Beispiel der niedliche Gartenschläfer mit seiner unverwechselbaren Zorro-Maske.

Auch Auerhähne gibt es hier, wie wir auf einem weiteren Schild erfahren. Es ist eine der letzten deutschen Populationen außerhalb der Alpen.
Die unwirtlichen Schneeberg-Temperaturen bekommen auch wir zu spüren. Der Wind bläst eiskalt und so setzen wir unseren Weg zügig fort.
Unweit des „Backöfele“ passieren wir rechterhand eine interessante Steinplatte, in die eine Siebensternsilhouette eingearbeitet ist. Die Platte trägt die Inschrift „1951“ und war in einem Gebäudekomplex der US-Streikräfte, die nach dem zweiten Weltkrieg hier oben ebenfalls einige Jahre stationiert waren, integriert.

Die Gebäude sind mittlerweile abgerissen, aber die Siebenstern-Platte ist noch da. Im Fichtelgebirge blüht der Siebenstern übrigens von Mai bis Juni. Die Pflanze gilt als Symbol der Region und der Fichtelgebirgsverein trägt sie im Wappen.
Wir überqueren den Gipfel und folgen den Wanderschildern nach rechts Richtung Nußhardt/Seehaus.

Der schöne Waldweg ist tiefverschneit aber gut zu gehen. Das Fichtelgebirge bedeckt eine Fläche von rund 1600 Quadratkilometern und wurde 1971 als Naturpark ausgewiesen. Mittlerweile sollen auch Luchse wieder heimisch sein.

Angekommen an einer Schutzhütte des Fichtelgebirgsvereins, gibt es ein paar Bänke und Tische. Im Wald steht sogar ein Holzklo. Die Sonne hat sich durchgerungen und verwöhnt uns mit ein paar wärmenden Strahlen – der perfekte Ort für eine Pause.

Dann geht es weiter. Der Nußhardt ist unser nächstes Ziel, der Weiterweg nicht zu verfehlen. Der Weg wird immer schöner.

Moos wächst an den Bäumen und immer wieder passieren wir interessante Steinformationen im Wald.

Eine fast schon verwunschene Umgebung. Märchenfilme könnte man hier drehen…

Dann erreichen wir den 972 Meter hohen Nußhardt-Gipfel. Er ist der dritthöchste Berg im Fichtelgebirge und da auch hier wieder seltene Moose wachsen, steht auch er unter Naturschutz. Es gibt einen Picknicktisch und Bänke, sowie Informationstafeln mit spannenden Fakten über die Gegend.
So erfahren wir, dass der Nußhardt am 1. Juli 1785 äußerst berühmten Besuch hatte. Damals bestieg Johann Wolfgang von Goethe bei einer Rundtour den Felsen. Er besuchte auch das Seehaus, welches unser nächstes Ziel sein wird.

Über eine Leiter gelangt man auf den Aussichtsfelsen. Der Blick hinüber zum Schneeberg ist super.

Mit dem Nußhardt ist der letzte Anstieg geschafft, jetzt geht es nur noch runter. Hin- und wieder schaffen es ein paar Sonnenstrahlen durch den dichten Wald.

Dann erreichen wir das auf 922 Metern gelegene gemütliche Seehaus, eine beliebte und liebevoll mit Osterdeko geschmückte Hütte, wo wir nochmal einkehren und uns aufwärmen.

Der Rückweg ist jetzt nicht mehr weit und so erreichen wir knapp 20 Minuten nach dem Seehaus wieder den Parkplatz, wo unsere abwechslungsreiche Rundwanderung endet.
Höhe „Schneeberg“: 1051 Meter
Zeit bis Gipfel: 2 Stunden
Höhenmeter: 375 hoch, 370 runter
Kilometer: 13,13
Zeit gesamt (inkl. Pausen): 5,10 Stunden
Fazit: Rundwanderung durch verwunschene Wälder und auf einen höchsten Berg mit viel Geschichte
Die Rundwanderung über Haberstein, Schneeberg und Nußhardt ist ausgesprochen abwechslungsreich, bietet viele tolle Ausblicke und ist aufgrund der überschaubaren Höhenmeter auch für weniger Konditionsstarke gut zu bewältigen. Eine Jacke sollte man sicherheitshalber im Gepäck haben, da auf dem Schneeberg immer mit kühleren Temperaturen zu rechnen ist. Dank der vorbildlichen Beschilderung des Fichtelgebirgsvereins ist der Weg gut zu finden und viele Informationstafeln vermitteln spannende Fakten über die Region, die man gerade durchwandert. Mit dem Seehaus wartet am Ende der Tour noch eine urige Einkehr, besser geht’s nicht.
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