Als wir um 6.27 Uhr den Gipfel des Cotopaxi erreichen, bin ich nahezu am Ende meiner Kräfte. Mehr als sechs Stunden Aufstieg liegen hinter uns. Mittlerweile ist die Sonne aufgegangen, es ist neblig und eiskalt am Gipfel.
Reiner kommt auf mich zu und ich erschrecke, als ich seine bläulichen Lippen sehe. „Schau dich mal an“, sagt er zu mir. Mit geschwollenen Gesichtern und Fingern stehen wir auf 5897 Metern. Ich bin unendlich erleichtert – die Anstrengung ist vorbei. Wir haben es gemeinsam geschafft. Und dass, obwohl die Voraussetzungen gerade in den letzten Tagen nicht die besten waren und die Gesundheit mir fast einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.
Der Cotopaxi stand schon länger auf der Wunschliste
Schon seit über zwölf Jahren steht der Ecuador Reiseführer in unserem Bücherschrank. Der Cotopaxi ebenso lange auf der Wunschliste der Berge, die ich gerne einmal besteigen möchte. In den letzten Jahren war der Berg aufgrund von Aktivität und der Gefahr eines Ausbruchs immer mal wieder für die Begehung gesperrt.
Anfang des Jahres beschließen wir, dass es dieses Jahr soweit sein soll. Seit 2023 gab es schon keine Reisewarnungen mehr für den Vulkan.
In Südamerika selbst waren wir schon. In Peru und Bolivien haben wir mit dem Chachani und Acontango zwei leichte 6000er bestiegen.
Der Cotopaxi ist mit seinen 5897 Metern nicht ganz so hoch, dafür ist seine Kuppe komplett vergletschert – es handelt sich um eine klassische Hochtour. Aufgrund der riesigen Gletscherspalten gehen die meisten Bergsteiger in Begleitung eines professionellen Bergführers. Wir buchen unsere Tour über den DAV-Summit Club, werden also in einer Gruppe unterwegs sein. Für die Gipfelnacht am Cotopaxi wird die Gruppe in Dreierseilschaften aufgeteilt: ein Guide geht mit zwei Personen.

Intensive Vorbereitungen in den Alpen auf das Abenteuer
Um uns auf den Cotopaxi vorzubereiten, haben wir jede freie Minute in den letzten Monaten genutzt und sind in die Berge gegangen. Im Juli haben wir unser Hochtourenwissen mit einem Gletschertraining auf dem Großvenediger aufgefrischt. Für die Übungen zum Gehen mit Steigeisen in schwierigem Gelände bin ich in der Gipfelnacht am Cotopaxi dankbar.
Mit 23 Kilogramm Gepäck pro Person fliegen wir Ende August über Amsterdam nach Quito. Ein Großteil des Gepäcks besteht aus Ausrüstung: Helm, Klettergurt, Karabiner, Steigeisen, Stöcke, Schlafsack, Wanderschuhe, Hochtourenschuhe, Daunenjacke, Hochtourenhose, Handschuhe, Skibrille, Kopflampe, Batterien, Powerbank und einiges mehr.
Die Akklimatisierung beginnt bereits in Quito
Nach den heißen Sommertagen in München, empfängt uns Quito mit angenehmen 25 Grad. Quito liegt auf 2850 Metern über dem Meer und ist damit nach Sucre in Bolivien die zweithöchstgelegene Hauptstadt der Welt.

Am ersten Morgen lernen wir die weiteren Gruppenteilnehmer kennen: noch eine Frau und vier Männer, alle aus Deutschland, alle aus unterschiedlichen Ecken. Alle sehen fit aus. Einer der Teilnehmer trägt beim Frühstück seine Hochtourenschuhe. Er hat ein Problem: Das Gepäck ist nicht angekommen und jetzt hat er erstmal nur das, was in seinem Handgepäck verstaut war.
Zum Glück vertragen Reiner und ich die knapp 3000 Meter gut – die Akklimatisierung beginnt ganz nebenbei und schon während der Besichtigung der schönen Altstadt.
Auf den Hausberg von Quito
Neben sehr guter Kondition, ist die Akklimatisierung das Entscheidende. An Tag drei unserer Reise wartet mit dem Guagua Pichincha der erste Gipfel auf uns. Knapp zwei Stunden brauchen wir auf den 4776 Meter hohen „Hausberg“ von Quito. Leider regnet es und wir haben keinerlei Aussicht, aber die ersten Höhenmeter sind gemacht. Der Guagua Pichincha ist ein aktiver Schichtvulkan. Zuletzt ist er im Oktober 1999 ausgebrochen.

Am Iliniza Norte wird die Luft dünn
Am nächsten Berg steigen die Anforderungen deutlich. Unser Ziel ist der 5126 Meter hohe Iliniza Norte. Wir verlassen das Stadtgebiet von Quito. Zum Glück ist nach drei Tagen endlich auch das fehlende Gepäckstück angekommen.
Nach einer kurzen Nacht auf der gemütlichen Iliniza Lodge, startet die Besteigung um 3.30 Uhr. Es ist eine wunderschöne windstille und sternenklare Nacht.
In der Ferne sehen wir den Cotopaxi, ein Postkartenmotiv.

Die ersten zwei Stunden geht es nur wenig steil dahin. Dann geht allmählich die Sonne auf und taucht die Umgebung in ein magisches Licht. Der Blick hinüber zum Cotopaxi ist einzigartig.

Bis zum Gipfel sind es gute 6 Stunden. Die Höhe macht sich bei allen bemerkbar. Wir brauchen häufiger eine Pause und atmen lautstark. Dann ist es nicht mehr weit. Ein paar ausgesetzte Stellen werden von unseren Guides mit Fixseilen entschärft. Die allerletzten Meter bis zum Gipfel müssen mühsam erklettert werden.

1150 Höhenmeter sind es bis zum Gipfelkreuz auf dem Iliniza Norte, die Luft ist dünn, ich habe Kopfschmerzen.

Oben angekommen, werden wir mit unglaublichen Ausblicken auf Cotopaxi und Chimborazo belohnt. Die Sonne scheint, der Himmel ist strahlend blau. Perfekt.

Der Abstieg vom Iliniza ist nicht ohne. Steil klettern wir das erste Stück wieder auf dem Aufstiegsweg hinab.

Dann „fahren“ wir durch Sand und Geröll längere Zeit bergab.

Begleitet werden wir von drei Guides, die auch mit uns auf den Cotopaxi gehen werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie uns heute alle sehr genau beobachtet haben oder vielleicht sogar Wetten abschließen, wer von uns noch wie lange dabei sein wird.
Am Abend sind wir alle platt, zudem kämpfen ein paar von uns (ich leider auch) mit Magenproblemen. Dabei habe ich kein Leitungswasser getrunken und nichts Ungeschältes gegessen. Na prima…
Weiterfahrt in den Cotopaxi Nationalpark
Bis zur Gipfelnacht am Cotopaxi sind es jetzt noch drei Tage. Mit unserem Hyundai Bus geht es weiter in den Cotopaxi-Nationalpark.
Seit Tag eins in Quito werden wir von einem berühmten Bergsteiger und jetzt Reiseleiter begleitet. Marco Cruz ist 82 Jahre alt und sowas wie der Reinhold Messner Südamerikas. Im Laufe der Reise erfahren wir viel über seine Bergabenteuer auf der ganzen Welt und in Ecuador. Den Chimborazo hat er mehr als 1000mal bestiegen. Nach der Einfahrt in den Nationalpark besichtigen wir zusammen mit Marco ein Museum und erfahren hier viel über den Cotopaxi.

Weiter geht es zur wunderschön gelegenen Tampopaxi Lodge auf 3750 Metern, wo wir zwei Nächte verbringen.

Im Restaurant sitzen ein paar enttäuschte Bergsteiger. Sie kommen gerade vom Cotopaxi zurück. Wetterbedingt mussten heute alle umkehren.
Die Lodge ist super. Der Essensraum ist groß, warm und mit Fahnen aus aller Welt dekoriert. Warme Duschen gibt es auch. Am Ofen trocknen die Schuhe der Bergsteiger. Außen vor den großen Panoramafenstern hängen Wasserspender für Vögel. Hier kann man die kleinen Kolibris mit ihren langen Schnäbeln beobachten. Sie trinken das gezuckerte Wasser, weil sie für ihre Flugtechnik enorm viel Energie benötigen.

Geschlafen wird erstmals in einem Mehrbettzimmer, allerdings ist auch das wirklich geräumig und bietet genug Platz für uns und das viele Gepäck.
Hoch auf 4860 Meter und wieder zurück
Tags drauf wartet ein Arbeitseinsatz auf uns. Heute gilt es, die technische Ausrüstung auf das Refugio José-Ribas zu bringen. Der Tag dient außerdem der weiteren Akklimatisierung. Das Refugio liegt auf immerhin 4864 Metern. Hier werden wir die letzte Nacht vor der Cotopaxi-Besteigung verbringen.
Also los geht’s. Wir bepacken unsere Rucksäcke mit Steigeisen, Klettergurt, Helm und Co. Schon am Parkplatz auf 4630 Metern ist das Wetter richtig mies. Es regnet und stürmt. Zudem macht mein Magen weiter Probleme und so quäle ich mich die gerade einmal 240 Höhenmeter mühsam hinauf. Mittags wird das Wetter besser und wir packen nochmal 250 Höhenmeter drauf.

Um der Höhenkrankheit vorzubeugen, heißt es beim Höhenbergsteigen „Hoch gehen, tief schlafen“. Das haben wir in den Tagen zuvor auch so gehandhabt und am Nachmittag immer noch ein paar Höhenmeter gemacht.
Dann geht es wieder zurück auf die Tampopaxi-Lodge, wo es wahlweise Fisch, Huhn oder Steak zum Abendessen gibt. Unsere Guides schaufeln Berge an Nahrung in sich hinein. Ich bekomme nach wie vor kaum etwas runter, das ist nicht gut, aber was soll ich machen.

Vom Refugio José-Ribas auf den Gipfel des Cotopaxi
Tag 8 in Ecuador, es ist so weit. Wir haben heute keine Eile, denn der Aufstieg zur Hütte startet erst am Nachmittag. Viel Zeit für ein ausgiebiges Frühstück, ein Nickerchen, Rucksack packen, Kartenspielen. Dann noch ein üppiges Mittagessen, 14 Uhr ist Abfahrt.
Der Cotopaxi ist heute nicht in den Wolken verschwunden. Haben wir Glück und wird das Wetter mitspielen?

Etwa eine Stunde brauchen wir mit dem Bus zum Parkplatz auf 4629 Metern. Langsam aber stetig rumpelt der Hyundai die geröllige und steile Piste hinauf. Nach der Verabschiedung von Marco, der jedem von uns persönlich noch viel Erfolg wünscht, geht es kurz nach 15 Uhr los.

Der Aufstieg zur Hütte ist nicht weit, die Rucksäcke sind erneut prallgefüllt. Heute haben wir unsere dicken Schlafsäcke und jede Menge warme Kleidung dabei. Über eine sandige Piste geht es in vielen kleinen Serpentinen zügig hinauf. Das Refugio ist schon bald zu sehen und um 16 Uhr sind wir da.

Der Gastraum ist urig, allerdings hat die Schutzhütte an der Nordflanke des Cotopaxi keine Heizung.

Gedanklich stelle ich mich auf einen kalten Abend ein. Um nicht auszukühlen, ziehe ich gleich die dicke Daune an. Geschlafen wird in einem Lager mit Etagenbetten. Es gibt fließend Wasser, zwei Außentoiletten und ab 18 Uhr auch eine Innentoilette. Schon um 17 Uhr gibt es Abendessen: Nudelsuppe, Huhn, Reis, Gemüse und Kuchen. Ich versuche, wenigstens etwas Reis zu essen. Mein Hühnchen nimmt mir Hugo ab, er ist einer unserer Guides.

Dann kommt das Briefing für die Gipfelbesteigung und es klärt sich die spannende Frage: Wer geht jetzt eigentlich mit wem in der Seilschaft? Reiner und ich sind das einzige Pärchen in der Gruppe. Dennoch fragt mich Hugo am Mittag höflich, ob ich eigentlich mit meinem Mann gehen möchte. „Natürlich“, antworte ich. „Wir gehen doch schon seit Jahren zusammen in die Berge“. Die Sache war also geklärt. Dann macht Hugo es kurz und schmerzlos. Er bestimmt die weiteren Paare und wer welchen Guide bekommt. Unser Guide heißt Ramiro, ich bin zufrieden, er ist mir sympathisch.
Um 18 Uhr verschwinden wir im kalten Lager und kuscheln uns in die Schlafsäcke. Jeder hofft auf ein klein wenig Schlaf…
Tag neun in Ecuador: Gipfeltag!
23 Uhr geht das Licht an. „Aufstehen“ ruft Hugo, der im Doppelstockbett links neben mir geschlafen hat. Um keine kalte Kleidung anziehen zu müssen, haben wir die dicke Merinounterwäsche und Socken über Nacht im Schlafsack deponiert.
Ein heftiger Wind hat die ganze Nacht an den Dächern des Refugios gezerrt und dafür gesorgt, dass es laut und unruhig war. Trotz Ohropax konnte ich lange nicht einschlafen. Das Gedankenkarussell hat gedreht. Wie kalt wird es? Können wir bei dem Wind überhaupt den Gipfel in Angriff nehmen?
Zum Frühstück gibt es Kekse, Tee, Kaffee und heißes Wasser für die Thermoskannen. Dann ziehen wir unser Equipment an: Klettergurt, Helm, Kopflampe. Eispickel, Steigeisen, Daunenjacke, Tee und Snacks werden im Rucksack verstaut.

Wir starten um kurz nach 24 Uhr. Der Wind bläst. Da wir am Tag davor das erste Stück schonmal gegangen sind, wissen wir, was auf uns zukommt. Der Weg zieht in unzähligen Serpentinen steil nach oben, der Untergrund ist sandig. Oft rutscht man zurück, das ist mühsam und anstrengend. Plötzlich Blitze am Himmel. Ich schrecke zusammen. Unsere Guides sind tiefenentspannt und erklären, dass sei ganz woanders und weit weg. Kein Problem für uns.
Gute zwei Stunden brauchen wir für den ersten Teil der Strecke, der mich bereits ziemlich schlaucht. Hier gehen wir als Gruppe noch zusammen und es gibt auch regelmäßig eine Pause zum Verschnaufen. Mein Trinkschlauch ist noch nicht eingefroren. Ich bin froh darüber und trinke regelmäßig, um keine Kopfschmerzen zu bekommen.
Auf über 5000 Metern erreichen wir den Gletscher. Jetzt werden die Steigeisen angelegt, Ramiro nimmt uns ans Seil. Zuerst er, dann ich, dann Reiner. Mit dem Eispickel in der einen Hand und einem Stock in der anderen betreten wir den Gletscher.
Ab jetzt geht jede Seilschaft ihr Tempo. Der Weg ist vereist. Im Schein der Kopflampen sehen wir große Eiswände rechts und links neben uns. Hin- und wieder ein paar unheimlich wirkende Spalten. Nur keine Panik, Ramiro kennt den Weg.
Eine erste lange Transversale ist im Grund noch gar nicht so steil, aber das Gehen mit Einsatz des Eispickels ist für mich ungewohnt und kräftezehrend. Dann drehen wir nach links ab und es wird deutlich steiler. Bitte eine Pause, denke ich in immer kürzeren Abständen. Und meist, kurz bevor ich Ramiro darum gebeten hätte, machen wir das auch. So treffen sich drei unserer vier Seilschaften immer wieder. Wir tauschen kurz aus, wem es wie geht und wünschen uns gegenseitig viel Glück.
Noch ist es stockfinster. Im Tal sehen wir die Lichter von Quito.

Jemand fragt: „Reiner wie hoch sind wir?“. Er checkt den Höhenmesser am Handgelenk. Wir sind auf 5500 Metern. Ich bin kurz erstaunt, dass wir doch schon so hoch sind und weiß andererseits, dass es jetzt noch viel härter wird.

Was jetzt folgt, ist schwer zu beschreiben. Über eine schmale Rinne (Steilheit stellenweise bis 40 %) geht es auf vereistem Weg nach oben.
Hilfe, ist das steil. Jetzt bloß nicht ausrutschen, denke ich. Ich schaue, wie Ramiro seine Steigeisen setzt und mache es ihm nach. Ich erinnere mich an die Tipps, die wir am Großvenediger bekommen haben. Ja, so haben wir das dort gelernt.
Die „Bobbahn“ ist geschafft. Ich weiß nicht genau, ob ich eigentlich noch kann. In dem Moment verkündet Ramiro: „Jetzt kommen die härtesten 30 Minuten“. Was?
Noch ein Traubenzucker, ein paar Schlucke Tee, weiter geht’s. Wir stehen vor der „Black Wall“, einer weiteren steilen Passage. Hier ist der Gletscher teilweise geschmolzen und wir klettern über Gestein und erstarrte Lavaströme nach oben. Stück für Stück, Höhenmeter für Höhenmeter schrauben wir uns hoch. Ich brauche jetzt noch öfter eine Pause. Langsam wird es hell und Reiner hinter mir sagt: „Jetzt ziehen wir es durch.“

Dann ist auch das geschafft. Ramiro lacht uns zu und verspricht, nun ist es nicht mehr weit, maximal noch 15 Minuten bis zum Gipfel und flacher soll es auch werden.
6.27 Uhr erreichen Ramiro, Reiner und ich den Gipfel des Cotopaxi auf 5897 Metern. Er ist der zweithöchste Gipfel Ecuadors und einer der höchsten aktiven Vulkane der Welt.
Einer aus unserer Gruppe war mit seinem Guide alleine unterwegs und deutlich schneller oben als alle anderen. Er entschuldigt sich, dass er nicht mit auf das Gipfelfoto kann. Er müsse jetzt runter, weil er sonst erfriere. Ich verstehe das, es ist wirklich eiskalt.

Wir fallen uns in die Arme und beglückwünschen uns gegenseitig zum Gipfelerfolg. Alle haben es geschafft. Die Freude ist groß und wir machen das obligatorische Gruppenfoto.

6,20 Stunden haben wir gebraucht, um die 1130 Höhenmeter zu schaffen. Das ist am Ende gar nicht so schlecht. Im Allgemeinen wird eine Zeit von 6-8 Stunden angegeben.
Normalerweise hat man vom Cotopaxi einen spektakulären Ausblick und kann auch direkt in den Krater hineinsehen. Bei uns ist es neblig, keine Chance, irgendetwas zu sehen.
Nachdem jeder seine Fotos in der Tasche hat und bevor die Hände noch kälter werden, begeben wir uns an den Abstieg. Es ist jetzt taghell, die Umgebung und der Weg gut zu erkennen.

Jetzt geht Reiner als Erster, dann ich, dann Ramiro. Was beim Aufstieg so unendlich mühsam war, geht jetzt erstaunlich leicht.

Die Landschaft um uns herum ist spektakulär, wir sind über den Wolken und sehen in der Ferne den Chimborazo. Wenn alles gut geht, wird der in ein paar Tagen unser nächstes Ziel sein.

Blick zurück auf die steile „Bobbahn“.

Ganz allmählich tauen wir auf und die Lebensgeister kommen zurück. Wir sind froh, über unsere neuen Gletscher-Skibrillen (CAT 4), die wir uns kurz vor dem Urlaub noch gekauft haben. Die Augen haben nicht getränt und waren perfekt vor der Kälte geschützt.

Zurück auf der letzten langen Querung, zügig steigen wir bergab.

Deutlich schneller als gedacht, erreichen wir die sandige Piste und „fahren“ im Lavasand zügig ab. Schon nach 2,10 Stunden sind wir um 8.40 Uhr zurück am Refugio.

Wir sind müde, erschöpft und glücklich. Jeder freut sich auf eine warme Dusche. Nach einer Pause packen wir unsere Sachen zusammen. Zusätzlich zu dem schweren Rucksack müssen wir jetzt noch das technische Equipment im Rucksack verstauen. Schwer bepackt starten wir um 9.55 Uhr am Refugio.

Was bergauf so mühsam ist, ist bergab umso einfacher. Wir rauschen auf der sandigen Piste nach unten und erreichen schon bald unseren Bus. Marco Cruz und der Busfahrer erwarten uns bereits freudestrahlend und beglückwünschen uns zum Gipfelerfolg am Cotopaxi.
Eine denkwürdige Gipfelbesteigung geht damit zu Ende und für mich das Anstrengendste, was ich bisher in den Bergen erlebt habe. Ramiro klopft mir am Nachmittag auf die Schultern und sagt, ich sei jetzt bereit für den Chimborazo. In dem Moment will ich ihm das nicht ganz glauben, aber warten wir es ab.
„Cotopaxi“: 5897 Meter
Zeit bis zum Gipfel: 6,20 Stunden
Höhenmeter: 1131 hoch, 1370 Meter runter (zusätzlich am Tag davor: 235 Höhenmeter vom Parkplatz zum Refugio)
Kilometer Refugio – Cotopaxi – Refugio: 6,16 km Kilometer Parkplatz – Refugio: 1,4 km
Zeit gesamt (inkl. Pausen): 10 Stunden
Fazit: Nach dem Cotopaxi ist vor dem Chimborazo
Natürlich, wir sind nach Ecuador gekommen, um den Cotopaxi zu besteigen. Aber wir wollten eigentlich sogar noch höher hinauf. Der 6263 Meter hohe Chimborazo, höchster Berg des Landes und vom Erdmittelpunkt ausgemessen, sogar höchster Berg der Erde, sollte es auch noch sein.
Das Wetter war gut, mein Magen hatte sich beruhigt. Gut gelaunt kommen wir ein paar Tage nach dem Cotopaxi im Chimborazo-Hochlager auf 5300 Metern an. 17 Uhr verkriechen wir uns ins Bett, die Welt ist noch in Ordnung. Dann kommt Wind auf und wird immer stärker. Als wir um 24 Uhr starten wollen, tobt am Gipfel ein Sturm. Es ist absolut unmöglich, heute den Berg in Angriff zu nehmen.
Auch im Hochlager stürmt es. Schlussendlich sind wir erleichtert, es trotz der Sturmböen, die uns fast umhauen, unbeschadet wieder zum Parkplatz zu schaffen. Wir haben keinen Greul, weil es nicht geklappt hat. Das Wetter ist ein Faktor, den man nicht beeinflussen kann. Aus Deutschland erreicht uns eine What’s App „Schade, aber am Ende lebenserhaltend.“ So sieht es aus.
Wir freuen uns, dass wir trotz mancher Widrigkeiten auf drei tollen Bergen in Ecuador standen.
Und nicht nur das: Mit Quito und Riobamba haben wir zwei interessante Städte besichtigt. In Quito standen wir direkt auf dem Äquator – mit einem Fuß auf der Nord- und dem anderen auf der Südhalbkugel. Am Chimborazo waren wir zu Gast auf der traumhaft schön gelegenen Lodge von Marco Cruz direkt am Fuß des majestätischen Gipfels.

Für uns geht es jetzt weiter nach Galapagos und auch darauf bin ich richtig gespannt.
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